Druckaufstickung heißt die Zauberformel für eine neue Generation von Hochleistungsstählen. Die Technologie zur Erreichung des hervorragenden Eigenschaftsbildes dieser Stähle wurde von Energietechnik in enger Zusammenarbeit mit dem Krupp-Forschungsinstitut, Hochschulen und
anderen wissenschaftlichen Einrichtungen sowie interessierten Anwendern entwickelt und innerhalb weniger Jahre zur Produktionsreife geführt.
Die Entwicklung des Druck-Elektro-Schlacke-Umschmelzverfahrens (DESU)wurde von Bund und Land finanziell gefördert und gipfelte am 28. Juni 1989 in der Inbetriebnahme einer 20-t-Produktionsanlage im Werk Essen.
Die Anlage ermöglicht die großtechnische Herstellung massiv aufgestickter Blöcke. Sie sichert der Energietechnik Essen GmbH bei der Produktion hochstickstofflegierter Stähle einen übergreifenden technischen Vorsprung.
Austenitische Cr-Mn-leg. Stähle mit ca. 0,6 % N, die unter Atmosphärendruck erschmolzen werden, sind bekannt und haben sich unter der Krupp-Bezeichnung P900 weltweit als Kappenringwerkstoff durchgesetzt.
Höhere Stickstoffgehalte von ca. 1 % können nur unter erhöhtem Druck erreicht werden. In unserer DESU-Anlage kann ein Druck von max. 42 bar aufgebaut werden. Der DESU-Anlage können über Schleusen kontinuierlich Legierungselemente zugegeben werden.
Durch die interstitielle Einbindung des Stickstoffs im Gitterverbund des Stahles werden die Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit des Werkstoffes deutlich erhöht, ohne dass die Duktilität reduziert wird. Der Anlagendruck erhöht einerseits die Löslichkeit der Schmelze für bestimmte Legierungselemente und verhindert andererseits das Entgasen flüchtiger Legierungselemente während der Erstarrung. Diese Kombination der Eigenschaften wird von keiner anderen Werkstoffgruppe erreicht.
Der weitgehende Ersatz des Kohlenstoffs durch Stickstoff eröffnet den DESU-erzeugten Stählen eine Vielzahl von Einsatzgebieten. Kraftwerksindustrie und Wälzlagerhersteller setzen druckaufgestickte Stähle der Energietechnik bereits mit großem Erfolg ein. In der Luftfahrtindustrie (Flugtriebwerke), Chemie und Petrochemie sowie Bauindustrie gibt es weitere Anwendungsbereiche.
Die neueste Entwicklung der Energietechnik sind hochstickstoffhaltige nickelfreie Werkstoffe, die für biokompatible Anwendungen geeignet sind und den europäischen Regelwerken entsprechen. Der druckaufgestickte martensitische Stahl CRONIDUR 30, entwickelt für hochbeanspruchte
Bauteile in der Luft- und Raumfahrt, wurde 1991 mit dem Stahl-Innovationspreis ausgezeichnet.